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6 REGARDS
woxx  |  10 04 2015  |  Nr 1314
lediglich für eine geschlechtsneutra- le Person stehen, die irgendwann in der Evolution stehengeblieben ist und gesellschaftliche Verhältnisse pro- pagiert, die überholt sind. Wie „ein Mann, der Vaterschaftsurlaub nimmt, ist unmännlich“ oder „eine Frau, die einen Verwantwortungsposten in der Firma anstrebt, muss andere Bedin- gungen erfüllen als ein Mann“ oder „eine Frau ist eher dazu prädestiniert, sich um die Familie als um den Beruf zu kümmern“ - das sind stereotype Aussagen, die diese Regierung nicht mehr hören möchte und deswegen in einem transversalen Ansatz gemein- sam mit allen Ministerien bekämpft. Die Kampagne ist ein Element gewe- sen, das wir mit einer sachlichen Aus- sage zum Thema kombiniert haben, nämlich, warum wir meinen, dass in unserer Gesellschaft Frauen auch in Entscheidungsprozessen verstärkt zum Zuge kommen müssen.
„Es ist schade, aber auch sehr bezeichnend, dass sich Unternehmer in dem Affen wiedererkannt haben - ohne, dass sie anvisiert waren.“
Apropos umstrittene Kampagnen - vor rund zwei Wochen stellte Nico- las Schmit eine neue Maßnahme der Adem vor. Mit „Dress for Success“ soll arbeitslosen Frauen aus der Patsche geholfen werden. Sie erhal- ten im Rahmen dieser Beratung auch ein Coaching und bekommen ein passendes Kostüm. Finden Sie diesen Ansatz, dass Frauen sich möglichst herausgeputzt präsentieren, emanzi- patorisch wertvoll?
Affentheater? Eine Anzeige der umstrittenen, preisgekrönten Kampagne des Gleichstellungs-Ministeriums.
Stein des Anstoßes war ja für eine Reihe von Personen die Tatsache, dass sich die Adem mit „Dress for Suc- cess“ zusammengetan hat, damit bei Vorstellungsgesprächen ein besserer Ausgangspunkt gegeben ist. Meinen Informationen nach hat sich das nicht ausschließlich an Frauen gerichtet. Vielleicht ist es so, dass bei den Män- nern die Meinung vorherrscht, dass nicht so viele Variationen möglich sind, ich glaube aber, dass die Präsen- tation, der erste Eindruck bei einem Bewerbungsgespräch sehr wichtig ist - für Männer wie für Frauen. Abgese- hen davon finde ich die neue Dyna- mik, die rund um die neue Direktorin der Adem entstanden ist, unheimlich positiv und begrüße es grundsätzlich, wenn alle möglichen Partnerschaften gesucht und Synergien genutzt wer- den, die zu einer Verbesserung der allgemeinen Arbeitssituation führen. Ich bin der Meinung, dass Frauen und Männer- einen Nutzen davon haben, wenn sie sich Gedanken über den Eindruck machen, den sie bei einem Vorstellungsgespräch hinterlassen. Der visuelle Eindruck ist wichtig, aber anderes ist es auch. Es gibt ja auch Vereinigungen, die sich dafür einset- zen, dass man eine fehlerfreie Bewer- bung einreicht - mit einem gut aufge- machten Curriculum. Das ist wichtig, um überhaupt zu einem Vorstellungs- gespräch eingeladen zu werden. Der Auffassung der kritischen Gegner von „Dress for Success“ , dass sich das Vorstellungsgespräch einer Frau nicht auf ihr Äußeres konzentrieren darf, stimme ich zu. Frauen müssen genau- so an ihren Kompetenzen und ihrem Äußeren gemessen werden wie Män- ner. Da sehe ich keinen Unterschied. Falls sie reduziert werden auf ein rein äußerliches Erscheinungsbild, finde ich das schade. Es würde dem Po-
tenzial und den vielen Kompetenzen, die Männer und Frauen mitbringen - was oft noch unterschätzt wird - nicht Rechnung tragen.
Geschlechterstereotype werden durch Erziehung vermittelt, aber auch durch sexistische Darstellun- gen in der Werbung genährt. In Lu- xemburg gibt es zahlreiche Beispiele dafür. Gedenkt die Regierung eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, die die Verbreitung sexistischer Dar- stellungen ahndet - wie es auch der Nationale Frauenrat fordert?
Es gibt bereits ein Gesetz zur „Egali- té de traitement“, das 2012 mit sehr großer Mehrheit gestimmt wurde und unter das auch die Medien fal- len. Auch wenn viele der Meinung sind, dass das noch detaillierter ge- setzlich geregelt werden müsste. Ich kann mich daran erinnern, dass vor einem halben Jahr Herr Kartheiser auf Initiative der ADR eine Gesetzesinitia- tive eingebracht hat, in der gefordert wurde, dass dieses Gesetz sich nicht auf die Medien beziehen solle, weil das konträr zur Pressefreiheit stehe. Dieses Vorhaben ist von allen großen
Parteien abgelehnt worden, was mir sehr große Freude bereitet hat. Und zwar, weil es gezeigt hat, dass es hier im Land keine Bereitschaft gibt, die bestehenden Gesetze zu verwässern. Unabhängig davon gibt es sehr viele Organisationen wie das Cid Femmes oder den Nationalen Frauenrat, die uns permanent Informationen über Verfehlungen verschiedener Akteure, also auch von Medien in ihrer Wer- bung, geben. Wir, als Chancengleich- heitsministerium, kontaktieren auch regelmäßig Firmen, um sie auf solche aufmerksam zu machen. Meine Er- fahrung ist, dass es oft unbewußt und ohne Wissen der Entscheidungsträger zu derartigen Kampagnen kommt und wir durch Meinungsaustausch sehr oft die Firmen dahin bringen, nicht mehr den Weg einer frauenfeindli- chen Kampagne zu gehen. Da ist noch sehr viel zusätzliche Aufklärungsar- beit notwendig, aber ich spüre, dass es auch da ein Umdenken gibt.
FOTO: MEGA.LU


































































































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