Page 29 - woxx 1317
P. 29

16 AGENDA
FILMKRITIK
woxx  |  01 05 2015  |  Nr 1317 KINO I 01.05. - 05.05.
zusammen um die Welt vor Loki, dem  Halbbruder des Donnergottes Thor,  zu retten, der mit seiner Streitmacht  die Erde unterwerfen will. Doch die  Helden sind es nicht gewohnt im Team  zu arbeiten.
Im Labyrinth der Akten. Der junge Radmann wird zunächst nur im amerikanischen  Document Center fündig ...
GIULIO RICCIARELLI
Täter-Land mit Zuckerhaube
programm
Astérix - Le domaine des dieux
F 2014, film d’animation de Louis Clichy et Alexandre Astier. 82’. V. all. Pour tous.
Anina Valle Thiele
„Im Labyrinth des Schweigens“
zeigt beeindruckend das Nachkriegsdeutschland der
1950er Jahre, das seine jüngste Vergangenheit vergessen will und die NS-Täter als unbescholtene Bürger leben lässt.
Die 1950er Jahre - das war in Deutsch- land die Zeit des Wirtschaftswunders  unter Kanzler Adenauer und die von  Volkswagen, Vespas und luftigen Petty- coats: Eine Haube des Wohlstands, die  sich wie Zuckerwatte auf das Schwei- gen über die NS-Vergangenheit legte.  Zu viele waren beteiligt, und so wurde  geschwiegen über die Mittäterschaft  an den nationalsozialistischen Verbre- chen. In diese Zeit hat Giulio Riccia- relli seinen Spielfilm verlegt. Als der  junge Staatsanwalt Johann Radmann  (Alexander Fehling) im Jahre 1958 in  Frankfurt am Main damit beginnt,  nach verantwortlichen Tätern des Ver- nichtungslagers Auschwitz zu suchen,  stößt er auf eine Mauer des Schwei- gens. Schnell wird dem „Grünschna- bel“ klar, dass sich hinter dem Wort  „Auschwitz“, das für die Generation  der Kinder der Täter ein Fremdwort ist,  eine Vernichtungsmaschinerie verbirgt,  in die Tausende  Bürger verwickelt  waren, aber nie behelligt wurden.  Mehr noch, Radmann, der anfangs  naiv argumentiert, dass in Nürnberg 
doch Leute verurteilt wurden - freilich  nicht von der deutschen Justiz, son- dern von den Alliierten - erlebt, wie  Polizei und Justiz bis hin zum BKA ihm  offen die Zusammenarbeit verweigern.  Neben dem Journalisten der Frankfur- ter Rundschau Thomas Gnielka und  dessen Künstler-Freund Simon Kirsch,  einem Auschwitz-Überlebenden, ist es  der Generalstaatsanwalt Fritz Bauer  persönlich (unaufdringlich gespielt von  Gert Voss), der dem jungen Radmann  den Rücken freihält und ihn bei seinen  Ermittlungen unterstützt. Die Rahmen- handlung des Films beruht auf wahren  Begebenheiten: 1959 erreichte Fritz  Bauer, dass der Bundesgerichtshof die  „Untersuchung und Entscheidung“ in  der Strafsache Auschwitz-Verbrechen  dem Landgericht Frankfurt am Main  übertrug. Auf Weisung Bauers leitete  die dortige Staatsanwaltschaft ein  Ermittlungsverfahren gegen vormalige  Angehörige der SS-Wachmannschaft  des Vernichtungslagers ein. 
Kanzler Konrad Adenauer machte  keinen Hehl daraus, dass er am  liebsten einen Schlussstrich unter die  jüngste Vergangenheit ziehen würde.  Bauer, der sich unter NS-belasteten  Juristen außerhalb seines Büros im  Feindesland wähnte, bekam diese  Schlussstrichmentalität am eigenen  Leib zu spüren - nicht zuletzt in der 
Zur Auflockerung ist die Handlung in  eine Liebesgeschichte eingebettet, die  streckenweise etwas seicht, wie von  einer ZDF-Abendserie inspiriert, wirkt.  Auch dass der Vater von Radmanns  Verlobter nachts betrunken mit seinen  Kumpanen die alten Zeiten im Pionier- Bataillon 21 („Jeder Schuss ein Russ“)  besingt, scheint etwas konstruiert,  sorgt aber für den beabsichtigten   Gänsehauteffekt. Bedeutungsschwer  wirkt die Szene, in der Radmann und  Gnielka nach Auschwitz fahren, um  dort auf Bitten Simon Kirschs das   Kaddisch für dessen im Lager ermor- dete Kinder zu sprechen.
Trotzdem ist „Im Labyrinth des  Schweigens“, der mit der Eröffnung  des Auschwitz-Prozesses am   20. Dezember 1963 im Frankfurter   Römer-Gericht endet, ein wichtiger  und mutiger Film. Er zeigt den stei- nigen Weg hin zu den Prozessen und  lässt die scheinheilige, miefige Atmo- sphäre des Nachkriegsdeutschlands  der 1950er Jahre spürbar werden.
Im Utopia
Nous sommes en 50 avant Jésus- Christ ; toute la Gaule est occupée  par les Romains... Toute ? Non ! Car  un village peuplé d’irréductibles  Gaulois résiste encore et toujours  à l’envahisseur. Exaspéré par la  situation, Jules César décide de  changer de tactique : puisque ses  armées sont incapables de s’imposer  par la force, c’est la civilisation  romaine elle-même qui saura  séduire ces Gaulois barbares. Il fait  donc construire à côté du village un  domaine résidentiel luxueux destiné à  des propriétaires romains.
Avengers 2: Age of Ultron
USA 2015 von Joss Whedon. Mit Robert Downey Jr., Chris Evans und Marc Ruffalo. 142’. O.-Ton, fr. + dt. Ut. Ab 12.
Ariston, Ciné Waasserhaus, Cinémaacher, Kursaal, Le Paris, Orion, Prabbeli, Scala, Starlight, Sura, Utopolis Belval und Kirchberg
Milliardär, Lebemann und Genie  Tony Stark aka Iron Man will ein  Friedensprogramm in Gang bringen,  doch dabei geht etwas schief. Der  niederträchtige Roboter Ultron taucht  auf und will nicht weniger als die  Ausrottung der Menschheit. Nun ist  es an den Avengers, Ultron in die  Schranken zu weisen. 
Baby(a)lone
L/B 2014 vum Donato Rotunno.
Mat Joshua Defays, Charlotte Elsen, Étienne Halsdorf a Gintare Parulyte. Lëtz. V., fr. + dt. Ët. Vun 12 Joer un.
Utopia, Utopolis Belval
Geringschätzung seiner Kollegen  ähnlich wie der junge Radmann im  Film. Bauers Antrag, die deutsche  Bundesregierung möge sich um die  Auslieferung Adolf Eichmanns in die  Bundesrepublik bemühen, wurde von  der Regierung seiner Zeit umgehend  abgelehnt. Denn der seinerzeit umstrit- tene Generalstaatsanwalt ließ keinen  Zweifel daran, wen er für die Verbre- chen verantwortlich hielt: „Alle, die  mitgemacht haben - sind Auschwitz.“
XXX
Es erstaunt also wenig, dass Ricciarelli  seinen pädagogischen Film dem 1968  verstorbenen Fritz Bauer gewidmet  hat. Dass die Auschwitz-Prozesse  Anfang der 1960er Jahre nicht zuletzt  dank seiner in Gang kamen, wird  im Film genauso deutlich, wie der  erbitterte Widerstand, auf die der  junge Staatsanwalt Radmann bei  den Behörden stieß. Gemeinsam mit  Gnielka macht er sich schon bald, von  Utopia Alpträumen geplagt, auf eigene Faust  auf die Suche nach dem berüchtigten  KZ-Arzt Josef Mengele, der bei seinen  Besuchen in seinem bayrischen Hei- matort Günzburg von Familie, Be- kannten und Würdenträgern des Orts  geschützt wird. Man folgt Radmann,  wie er Aktenberge aus dem Bestand  des US-amerikanischen Document  Center durchwühlt, die Telefonbücher  der gesamten Bundesrepublik nach  Adressen von Tätern durchforstet und  hunderte Zeugen persönlich befragt.  Aus anfangs 15 Akten von Belasteten  werden schnell 8.000 - von ganz   „normalen“ Bürgern.
Hier kulminieren alle  voherigen Marvel Filme in einem  bombastischen Finale, was nicht nur  eingefleischte Marvel Fans aus dem  Sessel haut. (Claire Barthelemy)


































































































   27   28   29   30   31